Abschlussausstellung 2026
Jahrgang einundzwanzig

Faye Bryson

One Eye Behind Your Shoulder

Seit fünfzehn Monaten fotografiere ich meine Mutter und mich selbst in ihrem Elternhaus. Unsere Beziehung war in der Vergangenheit oft nicht leicht, maßgeblich geprägt von der psychischen Instabilität und den Gewaltausbrüchen meines Vaters.

Es ist ein Versuch herauszufinden, ob die Fotografie dort eine Form der Begegnung ermöglichen kann, wo Sprache lange versagt hat.

Besonders interessiert mich das unsichtbare Band, das wir zu unseren Eltern zu haben scheinen. Wieso zieht es uns immer wieder zu den Menschen zurück, die uns verletzt oder verraten haben? Mir fiel es lange schwer, den Verrat meiner Mutter überhaupt zu benennen. Physische Gewalt lässt sich meist klar erkennen. Schwerer zu fassen ist der Verrat derjenigen, die zusieht und nicht eingreift.

Die Kamera ist in meiner Arbeit der Vorwand, den wir beide brauchten, um uns wieder anzusehen. Um das Schweigen der Vergangenheit Stück für Stück durch Bilder zu ersetzen.

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One Eye Behind Your Shoulder